Häuser? Er schafft Orte!

Mittwoch, 2. Januar 2013

Architekt Terry Pawson im Porträt.

Britisches Understatement ist keine Erfindung der Kontinental-Europäer. Das wird jedem, der mit Architekt Terry Pawson spricht, schnell klar. Und das obwohl der Londoner eigentlich schon einiges an Meriten auf seinem Konto hat: VISUAL - Art Centre Carlow, die Synagoge in Potsdam, das Tall House in Wimbledon, die Scottish Opera in Glasgow, das Cultural Center im schwedischen Luleå und die Courtyard Gallery im Kunst Historischen Museum in Wien, sind nur einige der Entwürfe, die auf seinem Reißbrett entstanden sind. Denkmäler aus Stein, Stahl und Beton, die einen Menschen gewissermaßen unsterblich machen können. Aus 197 Einreichern sicherte sich Terry Pawson 2006 den Zuschlag für den Bau des neuen Linzer Musiktheaters. Zehn Stimmen der Jury konnte er für sich und sein Konzept „Theater am Park“ klar machen, das nicht nur ein „tolles Gebäude mit guter Akustik und schöner Atmosphäre“ vorsah, sondern die Aufwertung und Veränderung eines ganzen Viertels verhieß. Eine Idee, die sich knapp vier Jahre nach Aushub der Baugrube und zwei Monate vor Fertigstellung des Opernhauses, als geglückt erweist und gleichzeitig die These bestätigt, dass Architektur jene Kunstform sei, die ausdrückt wie sich die Gesellschaft verändert.

Vorfreude. Sieben Jahre nachdem Pawson begonnen hat an diesem Projekt zu arbeiten und einem „langen Wartezustand“, wie er es selbst nennt, freut er sich besonders darauf zu sehen „wie das Gebäude seine Rolle als Zentrum für kreative Kultur aufnimmt und einen neuen Schwerpunkt im öffentlichen Leben setzt.“ Als er sich für die Ausschreibung mit dem „Musiktheater“ auseinandersetzte, wurde es immer offensichtlicher für den Briten, dass der Volksgarten ein zentraler, wenn auch kaum genutzter Platz in Linz ist. Von dieser Erkenntnis aus, hantelte er sich weiter und landete hier: „Das Musiktheater und der Volksgarten könnten ein Gegengewicht zum Hauptplatz werden und ein zusätzlicher öffentlicher Treffpunkt. Ein neues Wohnzimmer der Stadt.“ Diese Formel, in der das Musiktheater mit seinen großzügigen Foyers und wunderbaren Ausblick durch die Glasfassade vollkommen aufgeht, spielt eine städtebauliche Rolle, die das Potenzial hat, die Struktur eines ganzen Stadtviertels zu verändern. Das Attribut „modernstes Opernhaus Europas“ strahlt also weit über die bühnentechnischen Spezialitäten, die zukunftsweisenden ökologischen Standards und den Besucher-Komfort hinaus. „Ich interessiere mich nicht wirklich dafür, nur Formen zu kreieren“ konstatiert Pawson. „Ich will Orte erschaffen.“ Ein Blick auf das Portfolio des Architekten reicht, um zu erkennen, dass er sich immer von Projekten angezogen gefühlt hat, die einen gewissen Grad an interner Komplexität aufweisen: Kunst-Gallerien, Museen und natürlich Theater- und Opernhäuser. Bürogebäude, sind keine dabei. „Ich finde es viel interessanter an einem Projekt zu arbeiten, wo jeder Winkel spezifisch mit seiner Bestimmung, seiner Ausrichtung und seiner Beziehung zum Standort verflochten ist.“ Eine rein äußere Hülle zu liefern, wo das Innere möglichst neutral sein soll, ist ihm zu langweilig. „Architektur bedeutet für mich, ein Gebäude in seiner Gesamtheit zu erleben.“

Magie. Diese Gesamtheit ist dem Schöpfer des neuen Musiktheaters am Volksgarten auch hinsichtlich der zukünftigen ArbeitnehmerInnen bewusst, die schon bald in „seinem“ Opernhaus ihr Werk aufnehmen werden. „Das Gebäude spielt eine enorm wichtige Rolle dabei, dass das Ensemble und die Musik zu einem besonderen Ereignis werden.“ Die Magie einer Aufführung sei immer ein Konglomerat aus einer einzigartigen Umgebung, der Atmosphäre und der Inszenierung. Lässt man das Understatement ausnahmsweise beiseite, dann kann hier wohl von perfekten Rahmenbedingungen für das neue Musiktheater am Volksgarten gesprochen werden.
Inez Ardelt

Mei Hong Lin übernimmt die Ballettdirektion am Landestheater Linz

Montag, 17. Dezember 2012

Die Direktorin des Tanztheaters am Hessischen Staatstheater Darmstadt wechselt zur Spielzeit 2013/14 nach Linz in Oberösterreich. Damit tritt in der Eröffnungsphase des neuen Musiktheaters am Volksgarten eine Choreografin mit internationaler Erfahrung und Ausstrahlung an die Stelle von Jochen Ulrich, der Anfang November gestorben ist. Nicht zuletzt die kollegiale Verbundenheit zwischen den beiden Künstlern war ausschlaggebend für das Zustandekommen des Engagements. Jochen Ulrich hat des Öfteren in Darmstadt gearbeitet, Mei Hong Lin bereits 2007 in Linz gastiert.

Nun sind trotz kurzer Zeitspanne bis zur Programmveröffentlichung für die nächste Spielzeit (sie wird wegen der Eröffnung des Musiktheaters bereits im Februar stattfinden…) eine vollständige Planung sowie neue Impulse für die Sparte Ballett am Landestheater gewährleistet.

Mei Hong Lin wurde in Taiwan geboren und ließ sich dort zunächst in klassischem chinesischem Tanz ausbilden. Anschließend studierte sie in Rom und bei Pina Bausch in Essen an der Folkwangschule. Schon früh wurden ihre Choreografien, die in ihrer Heimat entstanden, nicht nur in Taipeh sondern auch in Hongkong und in den USA gezeigt. 1991/92 war sie erstmals Ballettchefin an einem deutschen Theater, in Plauen. Von 1997 bis 2002 leitete sie das Ballett der Städtischen Bühnen Dortmund, und seit 2004 ist sie Direktorin und Chefchoreografin am Staatstheater Darmstadt.

Neben ihrer Tätigkeit als Tanztheaterchefin hat sie zahlreiche Ballettabende, Choreografien für Oper, Operette, Musical und Schauspiel geschaffen und sich als Regisseurin für Oper und Musical profiliert. Der Radius ihrer Arbeit ist inhaltlich und geografisch weit gespannt. So gastierte sie an Opernhäusern wie in Toulon, Leipzig, Dresden, Göteborg und Madrid als Choreographin für Operninszenierungen. An der Staatsoperette Dresden startete sie erfolgreich die deutsche Erstaufführung des Musicals The Beautiful Game und auf den Erfurter Domstufen inszenierte sie eine spektakuläre Aufführung von Jesus Christ Superstar eben dieses Komponisten. Außerdem erreichte sie zum Beispiel mit Glucks Orpheus und Eurydike, Bizets Carmen und der Grammy-gekrönten Oper Ainadamar von Osvaldo Golijov große Erfolge. 2011 und 2012 wurde Mei Hong Lin für ihre choreographischen Arbeiten Die Brautschminkerin und Romeo und Julia (in neuer Version) für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert.

Neues von den Jungkritiker_innen

Donnerstag, 29. November 2012


Hier die neuesten Beiträge unserer JungkritikerInnen, wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Ein Leben für den Tanz

Samstag, 10. November 2012

Wir trauern um Ballettdirektor Jochen Ulrich. Am frühen Morgen des 10. November 2012 ist Jochen Ulrich nach längerer schwerer Krankheit gestorben. Theater und Publikum haben einen großen Künstler und wunderbaren Menschen verloren.

1944 wurde Jochen Ulrich in Osterode geboren, begann seine Laufbahn als Tänzer 1967 an der Kölner Oper, wo er bereits 1970 mit ersten choreographischen Arbeiten überregionale Beachtung fand. Mit dem Kölner Tanz-Forum, das er 1971 mitbegründete und ab 1979 leitete, nahm er prägenden Einfluss auf die Entwicklung des modernen Tanzes in Deutschland. Seine auf der klassischen Ausbildung basierende neue Bewegungssprache gewann ihre besondere Wirkung aus der athletisch-technischen Erweiterung tänzerischer Impulse – in Verbindung mit starken und faszinierenden Geschichten. Seine Ballette waren und sind (vielfach ins Repertoire diverser Bühnen eingegangen) Zeugnisse seines Engagements für den Tanz als erzählender Durchdringung zutiefst menschlicher Themen und Schicksale.

Tourneen mit der Kölner Kompanie, Einladungen zu Gastspielen in ganz Europa haben Ulrichs Arbeit international bekannt gemacht. Die Konzeption und Organisation seiner Internationalen Woche des modernen Tanzes hat in Köln über lange Jahre ein Forum  aktueller Entwicklungen der Tanzkunst etabliert. Immer wieder wirkte er neben seiner Tätigkeit als Ballettdirektor als Gastchoreograph im gesamten deutschsprachigen Raum.

Als Talentsucher und Lehrer ist Jochen Ulrich Mentor und Förderer zahlreicher Tänzerinnen und Tänzer, Choreographinnen und Choreographen, die international Karriere gemacht haben. Fachliche Meisterschaft und die Fähigkeit, seinen Enthusiasmus auf andere zu übertragen, machten seine kreative Arbeit zum Ausgangspunkt der künstlerischen Entwicklung seiner Mitarbeiter. Eine ganze Reihe von Protagonisten der Kölner Jahre haben inzwischen leitende Positionen in der Welt des Tanzes.

Im Jahr 2000 übernahm Jochen Ulrich die Direktion des Balletts am Tiroler Landestheater in Innsbruck. Intendant Rainer Mennicken holte ihn 2006 nach Linz, wo er mit seiner neu formierten Kompanie gemeinsam mit Chefdirigent Dennis Russell Davies und dem Bruckner Orchester Linz große Erfolge errang. Ballettabende wie FIDELIO, CAMPO AMOR, ANNA KARENINA oder jüngst ZAUBERNACHT/DIE SIEBEN TODSÜNDEN (mit der legendären Marianne Faithfull als Anna I) haben sich tief in die Erinnerung des Publikums und aller Beteiligten eingeprägt.

Ulrichs Arbeit war stets der Ausdruck seiner Begeisterung für das Theater insgesamt. Er inszenierte Opern und Musicals, choreographierte Produktionen anderer Sparten und engagierte sich als Partner und treibende Kraft für die Geschicke der ganzen Theaterfamilie. In den vergangenen Jahren setzte er sich tatkräftig für die Beteiligung des Tanzensembles an den Veränderungen ein, die mit der Errichtung des neuen Musiktheatergebäudes in Linz verbunden sind. Seine Visionen neuer Formate mit einer erweiterten Kompanie waren stimulierend für die Programmentwicklung der kommenden Jahre. Seine Vorfreude auf die neue Bühne, den neuen, großzügigen Ballettsaal, die Verbesserung der Rahmenbedingungen auch für den Tanz am Landestheater Linz machten ihm die schönsten Hoffnungen. Nun kann er die neue Zeit nicht mehr erleben und gestalten.

Für Jochen Ulrich liegt im Großen Haus ein Kondolenzbuch auf.

Rainer Mennicken

Hurra, wir ziehen um!

Dienstag, 30. Oktober 2012

Wenn zwischen Promenade und Volksgarten täglich mehrere LKW hin und her fahren, kann das nur eines bedeuten: Die Übersiedelung der Werkstätten ins neue Musiktheater hat begonnen!

Bei einem Pressetermin am 30. Oktober 2012 zeigten Landeshauptmann Josef Pühringer, die Landestheaterspitze Thomas Königstorfer und Rainer Mennicken, sowie Kerstin Wieltsch (Leitung Dekorationswerkstätten) und Richard Stockinger (Leitung Kostümabteilungen) die Gewerke in ihrem neuen Zuhause. „Am 11. April 2013 wird der Vorhang für immer aufgehen“, eröffnet der Landeshauptmann das Pressegespräch diesmal pathetisch. „Aber bei einem Jahrhundertbauwerk wie diesem, kann man das schon so sagen!“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Tatsächlich ist dies wahrscheinlich einer der spannendsten Momente, bei Projekten dieser Größenordnung: der Zeitpunkt an dem die Baustelle immer mehr zurückweicht und die MitarbeiterInnen des Unternehmens, ihre neuen Arbeitsplätze beziehen.
Im neuen Musiktheater, das sich in der Fertigstellungsphase befindet, stehen wir genau vor diesem Wendepunkt. Alle logistischen Vorkehrungen wurden getroffen, 2-4 LKW-Fuhren gehen pro Tag von der Promenade an den Volksgarten. So lösen Nähmaschinen die Gerüste und Sägen die Maurerkellen ab; es folgt das elektrotechnische Ab- und Anschließen der Maschinen und Geräte, die Inbetriebnahme der EDV, schließlich die Arbeitsplatzmaterialen und der heißersehnte Arbeitsbeginn in den Werkstätten, der Schneidereien und technischen Leitung. Und das schon nach Allerheiligen! Immerhin werden etwa die Bühnenbilder für die Premieren Peter und der Wolf und King Arthur bereits in den Werkstätten des neuen Musiktheaters hergestellt und anschließend an die Promenade geliefert.

„Wir treten der Realisierung und dem Eröffnungstag damit wieder einen großen Schritt entgegen“, freut sich der Landeshauptmann und Kulturreferent. Und dass dem so ist, ist auch den „Special-Agents“ Kerstin Wieltsch und Richard Stockinger zu verdanken. Die beiden Bereichsleiter waren maßgeblich an der logistischen Planung des Umzugs sowie der komplexen Implementierung der fünf Werkstätten plus Kostümabteilungen im neuen Haus beteiligt. Die 4.000 Stoffballen, die von der Promenade ins Musiktheater „rollten“ sind da noch das Geringste, lösten bei Landeshauptmann Pühringer dennoch große Begeisterung aus. „Ich bin ja ein Schneiderbub [seine Eltern besaßen einen Schneidereibetrieb; Anm.] und wir hatten 30 Stoffballen und dachten, das wären viele!“
„Die kommenden Meilensteine, die in der Fertigstellungsphase des neuen Musiktheaters aufeinander folgen sind: Der Probenbeginn der Hexen von Eastwick am 17. Dezember, die ersten Testvorstellungen gegen Ende Februar und ab März startet die Gastronomie ihren Betrieb“, gibt Thomas Königstorfer einen Ausblick auf die nahe Zukunft. „Wir sind froh, wenn am 11. April 2013 kein Gehämmere und Bohrgeräusch mehr zu hören sein wird“, setzte Rainer Mennicken ein mantra-würdiges Schlusswort.

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Nachlese Pariser Leben

In Paris müsste man sein! Mit seinem 1866 entstandenen Pariser Leben hat Jacques Offenbach eine vergnügliche, heiter-frivole Operette geschaffen, die vor Fantasie geradezu strotzt. Der richtige Stoff für die quirlige Regisseurin Adriana Altaras, wohlbekannt aus ihrer erfolgreichen Inszenierung von Rossinis La Cenerentola, die in der Saison 2010/11 am Landestheater lief. 450 Kostüme, Walzer, Tyrolienne, Galopp, Can-Can  - in Linz müsste man sein! - hieß es bei der Premiere von Pariser Leben am 27. Oktober:

Michael Wruss entdeckte für die OÖN „packende Gags“. Adriana Altaras habe versucht „diese Komödie schwungvoll zu inszenieren, was auch weitgehend geglückt ist“, so seine Einschätzung. „Marc Reibel fand mit dem flott musizierenden Bruckner Orchester den idealen Tonfall.“ Das Ensemble bezeichnet er als „sehr stimmig agierend“ und hebt Horst Lamnek als „optisch und sängerisch optimal besetzt“ hervor. Frauke Schäfer passe „als seine Gattin ideal dazu.“ Iurie Ciobanu gab einen „gewieften Gardefeu“, Matthäus Schmidlechner überzeugte „mit feiner Komödiantik“, Katerina Hebelkova war „eine Luxusbesetzung“, die „stimmlich mehr als erfreuen“ konnte. „Das tat auch Elisabeth Breuer als quicklebendige, blitzsauber in alle Höhen singende Gabrielle.“ Auch Sven Hjörleifsson mache „stimmlich und darstellerisch sehr gute Figur.“ „Viel Applaus.“

„Heißblütiges Pariser Leben“ titelt Balduin Sulzer in der OÖ Krone. „Ein Sonderlob“ hat er für „die unterhaltsamen choreografischen Elemente“ Stephan Brauers übrig. „Die Inszenierung von Adriana Altaras war um einschlägige Effekte nie verlegen.“ Auch das Bühnenbild Marcel Kellers und die Kostüme von Nina Lepilina „fanden vorbehaltlos Gefallen“. „Auf hohem Niveau verlief die musikalische Arbeit.“ Dirigent Marc Reibel „garantierte technische Qualität und schmissige Lebendigkeit“. „Glanzvoll“ der Chor, „stimmig musizierend“ Akkordeonistin Manuela Kloibmüller. „Aus den hochqualifizierten Vokalsolisten“ erwähnt Sulzer: Frauke Schäfer, Katerina Hebelkova, Elisabeth Breuer, Horst Lamnek, Iurie Ciobanu, Matthäus Schmidlechner und Günter Rainer.

„Gelungene Premiere“ kündigt sich der Tenor von Georg Höfers Besprechung schon im Vorspann an. Er schreibt im neuen Volksblatt vom „bewundernswertem Engagement aller Mitwirkenden, die mit Humor und Können einen gelungenen Abend garantieren.“ „Regisseurin Adriana Altaras überraschte durch gelungene Einfälle und ein durchgehaltenes Tempo.“ „Sehr amüsant: Iurie Ciobanu und Matthäus Schmidlechner“. „Metella, ..., war bei Katerina Hebelkova in besten Händen“. „Sehr beweglich und souverän: Horst Lamnek.“ „Frauke Schäfer stand ihm in nichts nach.“ Elisabeth Breuer: „Reizend in jeder Hinsicht.“ Der Chor: „Mit Liebe und Können bei der Sache.“ Marc Reibel am Pult des „animierten Bruckner Orchesters“ „fand den richtigen Rhythmus für die Musik Offenbachs.“

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Preview Pariser Leben

Dienstag, 23. Oktober 2012

Vive la France!
Mit seinem 1866 entstandenen Pariser Leben hat Jacques Offenbach eine vergnügliche, heiter-frivole Operette geschaffen, die vor Fantasie geradezu überbordet. Der richtige Stoff für die quirlige Regisseurin Adriana Altaras, wohlbekannt aus ihrer erfolgreichen Inszenierung von Rossinis La Cenerentola, die in der Saison 2010/11 am Landestheater lief. „Ich bin ein Offenbach Fan“, outet sie sich beim Presseinformationsgespräch im Großen Haus. Er sei „anarchisch und benimmt sich, als ob er die Operette auf die Schippe nimmt“, beschreibt sie ihre Offenbach-Rezeption. Immerhin gilt Offenbach ja als Gründer des Genres Operette. Dass er „frech mit dem Genre spielt“, mache seine Werke mitunter „frischer als manche Wiener Operette“, geht Dramaturgin Julia Zirkler d’accord. Was man von ihrer Inszenierung erwarten solle? „Ich brauche Baguettes auf der Bühne und einen Eiffelturm!“ Es reize die Regisseurin, sich mit der Frage zu beschäftigen, „wie man Opern und Operetten in die heutige Zeit überträgt“.

Bei Pariser Leben ist dabei auch die neue Textfassung von Wolfgang Böhmer sehr hilfreich, die sehr geistreich und humorvoll sei. Die Anzüglichkeiten sind nach wie vor dabei. Allerdings gäbe es „keine Nackten auf der Bühne - was wir alle sehr bedauern“, scherzt Altaras. Selbstverständlich ließe sich Erotik aber auch anders zeigen. Wir sind gespannt! Premiere am Landestheater ist am Samstag, 27. Oktober, 19.30 Uhr im Großen Haus.

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Nachlese König & König und Ephebiphobia (Angst vor Teenagern)

Montag, 22. Oktober 2012

Während draußen die bunten Blätter herunterfallen und sich weitgehend nebelgrau breitmacht, wird am Landestheater Linz fleißig an der Aufstockung des Repertoires gearbeitet. Vergangenes Wochenende wurden gleich zwei Stücke dem Publikum „übergeben“. Alexander Grubers modernes Märchen König & König feierte am Freitag, 19. Oktober im u\hof: Premiere und tags darauf wurde Tamsin Oglesbys Ephebiphobia (Angst vor Teenagern) in den Kammerspielen uraufgeführt. Wie immer mit dabei, unsere fleißigen Leute von der Zeitung:
   
„Die flotte Linzer Fassung peppt Asli Kislal mit allerlei Zeitkolorit und Songs auf“, formuliert Elisabeth Rathenböck in der Kronenzeitung. „Prinz Schöngeist wird von Wenzel Brücher sensibel charakterisiert; Katharina Stehr ist eine resolute Königin Mutter.“ Karin Schütze von den OÖN hebt die „zeitgeistige Regie von Asli Kislal“ hervor. Es sei eine „flotte, frische Stunde mit Witz zu erleben, in die sich das Publikum lebhaft einbringt und dabei von den spontan reagierenden Darstellern“ - hier macht sich das Training für den Theatersport schon bemerkbar ;-) - „unterstützt wird.“ „Katharina Stehr ist eine resolute, beherzte Königin, Wenzel Brücher der sensible, etwas introvertierte Prinz, Markus Pendzialek der komplizierte, unbeholfene Diener Nebelknecht.“ Positiv wird auch „der schmissige Musik-Mix“ von Uwe Felchle erwähnt.

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Vom Theater für junges Publikum, nun zur „Angst vor Teenagern“. Die Presse zeigte sich unisono begeistert von der Uraufführung des Zeitstücks Ephebiphobia von Tamsin Oglesby:

„Pubertät als Theaterereignis“ titelt Milli Hornegger in der Krone. „Ein grandioses Stück, famos übersetzt, glänzend inszeniert!“ „Verbal und spielerisch ein Ereignis!“ Bettina Buchholz sei „glänzend“, Klaus Köhler „fabelhaft“, Katharina Wawrik „eine Wucht“. Und das Fazit: „Zwei Stunden intelligente Unterhaltung, über die es Spaß macht nachzudenken.“

Philipp Wagenhofer benennt im neuen Volksblatt die Inszenierung „flott, humorvoll und eindringlich“. Die Videoprojektion von Johannes Lindtner findet er schlicht „köstlich“. - Ein kleiner Insider-Joke, den alle, die im Stück drinnen waren sofort verstehen und alle anderen, tja die sollten unbedingt rein gehen! „Katharina Wawrik gelingt es ... abwechselnd renitente und sensible Heranwachsende überzeugend darzustellen.“

Gänzlich überzeugt ist auch Silvia Nagl, die in den OÖN von einer „umjubelten Uraufführung“ berichtet. „Tamsin Oglesby [Autorin; Anm.] verfügt über jene so erfolgreiche Qualität der well-made play-Stücke britischer Autoren wie Albee oder Pinter.“ „Klug, ironisch, mit trockenem britischem Humor.“ „Christian Wittmann bringt all das in die dementsprechende deutschsprachige Fassung.“ „Ein großartiger Theaterabend, bei dem einfach alles passt.“ „Christian Wittmann geht mit den Stückfiguren exakt um, formt starke Charaktere und Typen.“ „Klaus Köhler ist eine absolut geglückte Studie zwischen locker-jovialem und dann wieder überfordertem Vater.“ „Großartig wie er zwischen ernst, komisch und bitterböse-schmallippig mit messerscharf schneidender Stimme agiert.“ Über Bettina Buchholz: „Endlich wieder einmal eine große Rolle für diese außergewöhnliche und textdeutliche Schauspielerin.“ Katharina Wawrik habe einen „beachtlichen Einstand“. Es gäbe „Identifikationsmöglichkeiten für jeden auf vielerlei Ebenen das ist Theater für mehrere Generationen.“

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Nachlese Zaubernacht / Die sieben Todsünden

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Marianne Faithfull „weillt“ in Linz. Bei der Premiere des Ballettabends Zaubernacht / Die sieben Todsünden (Musik Kurt Weill/Text Bertolt Brecht; Choreografie von Jochen Ulrich und Fabrice Jucquois) kochte die Pop-Diva und Rockstar-Muse, die auch renommierte Weill-Interpretin ist, das ausverkaufte Große Haus mit ihrem rauen Timbre ein:
   
„Minutenlanger Applaus“, eröffnet Milli Hornegger ihre Besprechung in der Krone. Der Ballettabend sei durch Marianne Faithfull „veredelt worden“, heißt es weiter. „Dennis Russell Davies sorgt für wunderbare Töne aus dem Orchestergraben“; „Gottfried Pilz gestaltet die Bühne mit einem beeindruckend spiegelnden Baldachin“.

Andrea Amort schreibt im Kurier von einem „expressiv gestalteten Bilderbogen“ und „Davies bringt die Faithfull zur Geltung“.

„Marianne Faithfull (...) eroberte (...) die Herzen des Publikums“, lässt das Neue Volksblatt die Leser schon am Titel wissen. Im inneren des Blatts formuliert es Christine Grubauer so: „Triumph für eine Pop-Ikone auch im Ballett“. Zu Zaubernacht: „Das Publikum war hingerissen von solchem Zauber.“ Zu Faithfull: „alles überstrahlende, in faszinierender Schlichtheit die Geschicke kommentierend“. „... es regnete Applaus und Bravo-Rufe.“ Und die finale Empfehlung: „Ein Abend, den man keinesfalls versäumen sollte!“

Als „spannenden Ballettabend“ charakterisiert Silvia Nagl die Premiere in den OÖN. „Marianne Faithfulls Performance vermag zu fesseln“; Anna Štĕrbová stellt sie „unvergleichliche Eleganz und Ausdrucksstärke“ aus und bezeichnet sie als „tanzende Schauspielerin von höchster Qualität.“ Gottfried Pilz’ Bühnenbild verbindet optisch beide Teile und gibt faszinierende Spiegel-Einblicke“.

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Nachlese Theatersport und Stella

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Ein premierenstarkes Wochenende liegt hinter uns: Am Samstag, 6. Oktober „premierte“ Theatersport als neues Format am Landestheater Linz und eröffnete gleichzeitig die Saison im u\hof: Theater für junges Publikum mit einem riesen Tusch und extrem guter Stimmung - allerdings in den Kammerspielen. Tags darauf wurde mit Stella ein Werk aus Goethes jungen Jahren auf die Bühne des Eisenhand gebracht, das in seiner kammerspielhaften Struktur und mit den sich verausgabenden Spielern Gänsehautfeeling erzeugte. Apropos Gans: Kritiken gab es naturgemäß auch viele - Gänse wurden dafür aber keine gerupft, denn anders als in Goethes Zeiten, läuft die Entstehung eines Textes heute relativ tierfrei ab:
   
„Der Auftakt ist gelungen“, beschreibt Claudia Tröster, Kronenzeitung die erste Premiere des Theatersports in den Kammerspielen. „Der Star des Abends war John F. Kutil als Moderator, Schiedsrichter und Regisseur“, heißt es weiter. „Experiment gelungen“ - das erfreuliche Fazit.

Silvia Nagl von den OÖN ist über die Maßen überzeugt von den sportlichen Aktivitäten in den Kammerspielen: „Wetten, dass sich dieses neue Angebot am Landestheater Linz zum Publikumsrenner entwickeln wird?“ schreibt sie gleich zu Beginn in ihrer Besprechung. John F. Kutil „führte charmant und humorvoll durch den Abend“; „so viel gelacht wurde schon lange nicht mehr in den Kammerspielen.“ Und auch die Musik bekommt ihren Raum: „Souverän begleitet vom Mann am Klavier, David Wagner.“

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„Keine Spur von Trauerspiel“ entdeckte Claudia Tröster von der Kronenzeitung in Johannes von Matuschkas Inszenierung von Goethes Stella. Er machte Stella „zu einem Fest der Liebe“. Die Titelrolle werde von „Katharina Vötter mit Bühnenpräsenz dargestellt“. „Cäcilie, ..., souverän: Katharina Hofmann“. „Gedanken an Selbstmord“ lasse Matuschka gar nicht erst aufkommen - ist doch gut so, oder?!

Für Andreas Hutter, Kultur-Ressort-Chef des neuen Volksblatts lieferte Christian Manuel Oliveira eine „starke Vorstellung“ in Stella, die sich „nicht verflüchtigt hat.“ „Mit den beiden Katharinas, Vötter und Hofmann, waren zwei große Stützen des Schauspielensembles am Werk“, bedenkt er auch die weiblichen Darstellerinnen mit Lob. Vötter spiele sich als Stella „die Seele aus dem Leib, lieferte den Parforceritt einer verzweifelt Liebenden ab.“ Henriette Schmidt spiele die Lucie „mit wenig Text ausdrucksstark“. Fesch!

Und last but not least betont Silvia Nagl in den OÖN „Da kommt die wunderbare Sprache, von den Akteuzren deutlich und schön dargebracht, voll zur Geltung.“ „Oft gelingen Bilder und Szenen von faszinierender Schönheit, betörender Intimität und beeindruckender Symbolik...“. „Viel Applaus für das intensiv, energievoll und auch berührend agierende Schauspielteam.“ - Um’s mit Goethe zu sagen: „Mehr nicht!“

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