Die Dachgleiche ist erreicht!

Samstag, 27. November 2010

Beim feierlichen Festakt der Dachgleiche am 26.11.2010 mögen zwar arktische Temperaturen geherrscht haben, aber die Bauherren und politischen Vertreter strahlten und leuchteten wie die Christbäume – vor Glück. Denn das Projekt Musiktheater liegt ganz im Zeit- und Kostenplan.

Oberösterreichs größte Baustelle und gleichzeitig Europas modernstes Theater wächst unaufhörlich und wurde anlässlich der Gleichenfeier erstmals künstlerisch eingeweiht. Mit einem Paukenschlag eröffnete das Schlagwerk-Ensemble des Bruckner Orchesters die Feierlichkeiten und testete den Rohbau auch gleich auf seine Akustik.

Das Ballett-Ensemble des Landestheaters schwebte zu Rachmaninoff über seine künftige Wirkungsstätte und Solisten und der Chor des Landestheaters präsentierten Ausschnitte aus Die Meistersinger von Nürnberg und eine umgedichtete Version von Hello, Dolly!.

Impressionen | Das neue Musiktheater

Premiere: Rumpelstilzchen

Montag, 15. November 2010

Das Märchen nach den Brüdern Grimm feierte in der Fassung von Anna Proto am 14. November 2010 Premiere in den Kammerspielen.

Die ersten Pressestimmen:

OÖ Kronen Zeitung/Milli Hornegger

Lebendig gewordenes Märchen

Es scheint als würde da gerade ein kleiner, frecher, fordernder und bitzelnder Kobold namens „Rumpelstilzchen“ die Herzen der Kinder erobern.
Sie (Verena Koch; Anm.) erzählt die Geschichte von der Müllerstochter, die Stroh zu Giold spinnen soll, wie ein lebendig gewordenes Märchen. An den Figuren hat sie sorgfältig gefeilt, so sah man als Premierenbesetzung Georg Bonn als faulen Müllervater und Lisa-Katrina Mayer als Tochter Isabella. Geradezu als Karikatur hat Peter Pertusini seinen König angelegt. (…) Zu ihm passt der nicht weniger planlose Minister von Korbinian Josef Müller.


Neues Volksblatt/Birgit Thek

Monika Biegler, die auch die fantasievollen Kostüme entworfen hat, schuf dafür die stimmungsvolle Szenerie.
Schön, dass das Rumpelstilzchen nicht nur eindimensional böse gezeichnet wird: Hinter seinem Wunsch nach dem Königskind als Lohn für seine Zauberdienste wird auch die Einsamkeit des Gnoms deutlich, dem bei der gestrigen Premiere Eva-Maria Aichner (…) liebevoll-differenzierte Konturen verlieh. (…) Peter Pertusini gefiel als blasiert-verwöhnter, aber letztlich doch der Liebe fähiger König. In Kooperation mit der Bruckner-Privatuniversität haben hier Schauspiel-Studierende die Chance, ihr Können zu zeigen, und Lisa-Katrina Mayer und Korbinian Josef Müller wussten sie zu nützen: Müller ist als köstlich schleimig-gieriger Minister neben der Titelfigur die „böse“ Identifikationsfigur der jungen Zuschauer, Mayer als Müllerstochter und Königin die „gute“, mit der sie mitzittern.


Oberösterreichische Nachrichten/Karin Schütze

Regisseurin Verena Koch erzählt „Rumpelstilzchen“ mit viel Slapstick und Humor. Auf Begeisterung beim jungen Publikum stößt vor allem das königliche Versteckspiel im Wald. Monika Bieglers (Kostüme, Bühnenbild) scherenschnittartige, mit Blumenmuster tapezierte Schlosskulisse wird von Helmut Janacs in jeweils anderes Licht getaucht. Ihr Rumpelstilzchen scheint als feuerroter, hexenhafter Miniatur-Rübezahl mit Sepplhut Bergen wie Hölle entsprungen. Das spielfreudige Ensemble hat sichtlich selbst Vergnügen an der pfiffigen Märchenwelt: Köstlich ist Peter Pertusini als etwas blasierter, scheuer König, der im Wald keinen Helden abgibt und sich in einer goldenen Badewanne kutschieren lässt. Korbinian Josef Müller darf als hämischer, geldgeiler Minister dem Beamtentum Seitenhiebe verpassen. Lisa-Katrina Mayer ist eine tatkräftige, bestimmte Müllerstochter, die dann doch Angst und Verzweiflung packen.

Originelle Klangkulisse

„Rumpelstilzchen“ Eva-Maria Aichner lässt in ihrem finalen, infernalischen Tobsuchtsanfall den Boden erbeben.  Für die Klangkulisse hat Nebojsa Krulanovic „Ein Männlein steht im Walde“ rockig-originell für eine bläserdominierte Band variiert.


Stückinfo & Termine

Premiere: Hello, Dolly!

Dienstag, 2. November 2010

Das Musical von Jerry Herman und Michael Stewart feierte am 30. Oktober 2010 Premiere im Großen Haus.

Das sagt die Presse:

OÖ Kronen Zeitung: Balduin Sulzer

Turbulente Heiratsvermittlung

Schwungvolle Musical-Premiere: "Dolly" Cheryl Lichter weiß, wie man sich den Traummann angelt

Die unterhaltsame, phasenweise turbulente Geschichte von der temperamentvollen und geschäftstüchtigen Heiratsvermittlerin Dolly, die nicht nur anderen viele glückliche Partnerschaften vermittelt, sondern auch sich selbst den begüterten Kaufmann Horace angelt und dabei sogar vor Gericht landet, fegt temporeich über die Bühne des Großen Hauses des Linzer Landestheaters.

Die Aufführung imponiert aber auch in den von Orchester, Chor und den Solisten unter dem Dirigat Marc Reibels gebotenen musikalischen Leistungen. Dazu kommen die oft hinreißende Komödiantik der Akteure, das effektbewusst choreografierte Ballett, die kunstvoll den Grenzbereich zur Irrealität streifende Bühnengestaltung (Erwin Bode) und der bunte Ideenreichtum bei den Kostümen (Alfred Mayerhofer). Regisseur und Choreograf Otto Pichler lieferte mit seiner ersten Musical-Produktion am Landestheater einen beschwingten Abend ab.

Von den Protagonisten seien besonders erwähnt: Cheryl Lichter als listige Dolly, Günter Rainer als griesgrämiger Geschäftsmann und Witwer Horace; weiters Ramin Dustdar (Hackl), Daniel Feik (Tucker), Elsa Giannoulidou (Hutmacherin), Elisabeth Breuer (Minnie), Ilia Vierlinger (Ermengarde), Till von Orlowsky (Ambrose) und Leopold Köppl (Richter).

Neues Volksblatt: Margret Czerni

Bravissimo!

Jubel für die Landestheaterinszenierung des Musicals „Hello,Dolly!“ am Landestheater, das Barbra Streisand berühmt machte

Gesang und Tanz, Schwung und Rhythmus auf der Bühne wie im Graben, wo unter Marc Reibels aufmerksamer musikalischer Leitung das Bruckner Orchester die weltbekannten Melodien von Jerry Herman erklingen ließ (…).Reibel vergaß auch nicht auf die Sänger und Sängerinnen, und den locker und komödiantisch agierenden Chor hatte wie immer Georg Leopold fest im Griff. Für die Inszenierung und Choreografie zeichnet Otto Pichler, (…). Eine Augenweide sind die farbenfrohen Kostüme von Alfred Mayerhofer wie auch die Bühne, die Erwin Bode dem hochmotivierten, quirligen Ensemble mitsamt dem Ballett gebaut hat.

Cheryl Lichter und Günter Rainer sind in diesen Paraderollen ein herrlich gegensätzliches Paar. Sehr originell und flott unterwegs sind Ramin Dustdar und Daniel Feik als Vandergelders Angestellte Cornelius Hackl und Barnaby Tucker, (…). Das Premierenpublikum am Samstagabend war nach dem hinreißenden Zweiten Akt begeistert, der Applaus und Jubel wollte schier kein Ende nehmen. Ein Bravissimo dem ganzen Ensemble!

Stückinfo und Termine

Premiere: Schmiere stehn

Der Jugendkrimi von Jörg Menke-Peitzmeyer feierte am 29. Oktober 2010 Uraufführung im u\hof:

Hier die ersten Pressestimmen:

OÖN: Silvia Nagl

Ein überzeugendes vierköpfiges u\hof:-Ensemble präsentiert sich in einem Auftragswerk für die Linzer Landestheater-Spielstätte für junges Publikum: "Schmiere stehn" ist aufwühlendes Jugendtheater (ab 10), das zeigt, dass der Weg von Mutproben bis zum Kriminal ein kurzer sein kann.

Regisseurin Ulrike Stöck (*1975) hat offensichtlich den Draht zu Jugendlichen noch nicht gekappt: Sie zeigt mit dem Schauspielteam vier Jugendliche, wie sie tatsächlich in diesem Alter sein könnten. Die Schwestern als kreischendes, sich ständig streitendes Duo, das vor allem Klamotten, Schminke und Ärger mit den Eltern im Kopf hat. Katharina Wawrik als Nina scheint im Laufe des Stückes tatsächlich immer jünger zu werden, zerbrechlich zart und gekleidet wie "Britney Spears für Arme" verfügt sie über die zappelnde Energie einer vorpubertierenden Göre und den trotzigen Schmäh einer in die Welt der Älteren drängenden jungen Frau. Ihr nimmt man die Geschichte ab, als wär's ihre eigene.

Ninas ältere Schwester Jessica (Katharina Halus) will sich ihren Geltungsdrang mit der Beziehung zu Tom, dem Chef der bösen Gang, erfüllen. Und der wird von Ralf Wegner unglaublich cool und lässig dargestellt, auch latente Bösartigkeit, Brutalität und Macho-Gehabe sind ihm nicht fremd. Bastian Dulisch als Goran ist der Typ des schweigenden Mitläufers, der zu feig ist, auszusteigen. Das macht auch die Qualität des Stückes aus, dass es Prototypen zeigt, mit denen sich jede und jeder im Publikum identifizieren kann, was das Geschehen nahe rücken lässt.

Die Regie zeichnet diese Prototypen eindringlich, (…). Der kleinen u\hof:-Bühne gibt Brigit Kofmel ungewohnte Tiefe, (…).


Neues Volksblatt: Birgit Thek


Packende Uraufführung von „Schmiere stehn“ im Linzer u\hof: liefert viele Denkanstöße

Den realen Fall der „Gummibärenbande“ in Linz, nahm der deutsche Autor Jörg Menke-Peitzmeyer zum ausgangspunkt für sein Auftragswerk „Schmiere stehn“, das am Freitag seine viel beklatschte Uraufführung feierte.
Das Schönste daran: Das Stück liefert keine platten Erklärungsmuster, auch wenn die Sprachlosigkeit in vielen Familien und die Vernachlässigung der emotionalen Bedürfnisse der Kinder nach Liebe und Anerkennung differenziert zum Ausdruck kommen.
Umgesetzt wird das vielschichtige Geschehen in der ideenreichen Regie von Ulrike Stöck höchst adäquat von den vielversprechenden u\hof:-Darstellern: allen voran Katharina Wawrik als „Gruppenmaskottchen“ Nina, unter deren „Coolness“ die nicht gelebte Kindlichkeit durchschimmert. Nicht weniger überzeugend Ralf Wegner 8Tom), Katharina Halus (Jessica) und Bastian Dulisch (Goran).

Stückinfo und Termine

Im Gespräch - Einfach Spielen

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Silvia Glogner wird diesen November 70. Ihre neuen jungen Schauspiel-Kolleginnen Nancy Fischer, Angela Šmigoc, Katharina Vötter und Jenny Weichert sind im Durchschnitt 40 Jahre jünger. Neugierig, wer die Neuen so sind, hat Silvia Glogner die vier zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Entstanden ist ein spannendes Gespräch rund um das, was sie über Generationen hinweg verbindet: Die Lust am Spielen.

Das ungekürzte Interview finden Sie hier als Download.

Falsch verbunden – Disconnect

Montag, 18. Oktober 2010

Das Telefondrama von Anupama Chandrasekhar feierte am 18. Oktober Premiere in den Kammerspielen.

Hier die ersten Pressestimmen:

Philipp Wagenhofer – Neues Volksblatt
Brillant ist die Rhythmisierung, die Gerhard Willert seinen neuen Ensemble-Mitgliedern Nancy Fischer (Vidya), Björn Büchner (Giri) und Markus Subramaniam (als Ross, bester Mann im Stall, exzellent) mitgegeben hat. Sie bringen die Strukturierung, die in schneller Folge Gesprächsfetzen vorsieht, präzise und so von der Bühne, dass die Hauptlinie verständlich bleibt.

Silvia Nagl – OÖN
Chandrasekhar hat im reizvollen Wechsel von Real- zu Telefongesprächen dieses Stück verfasst. Gerhard Willert hat für seine Übersetzung eine klare, direkte Sprache gefunden. Er inszeniert flott, mit schnellen Wechseln.
Gleich vier Landestheater-Neuzugänge präsentieren sich in diesem Stück - und ihr Erstauftritt ist unter der erfahrenen Regie-Hand von Willert sehr erfreulich. Markus Subramaniam erweist sich als sehr präsenter, mit schöner und deutlicher Bühnensprache und absoluter Natürlichkeit agierender Schauspieler. Nancy Fischer ist ihrer Rolle entsprechend lächelnder Zynismus in Person. Björn Büchner gibt den lässigen und dynamischen Kumpeltyp, Angela Smigoc die toughe Frau mit rauer Schale und weichem Kern.

Stückinfo und Termine

Premiere: Anna Karenina

Dienstag, 12. Oktober 2010

Ballettdirektor Jochen Ulrich hat zu Leo Tolstois großem Ehebruchsroman Anna Karenina einen Tanz der Emotionen und Ereignisse erschaffen.
Zur atemberaubenden Musik von Sergej Rachmaninoff verknüpft er die Schicksalsfäden der einzelnen Figuren miteinander. Packend, leidenschaftlich und in höchstem Maße virtuos.

Das sagt die Presse zur Premiere am 9. Oktober im Großen Haus:

Franz Zamazal, OÖN
Ballett auf der Bühne der Weltliteratur
Besonders gelungen sind die Eckpunkte der Dreiecksgeschichte: Die Titelfigur (Anna Sterbova) zeigt mit intensivem Ausdruck ihre Zerrissenheit. Martin Dvorak verkörpert ihren Gatten Alexej, einen hohen Beamten, mit gemessenen Bewegungen und strenger Miene. Der Geliebte und Offizier Wronski (Ziga Jereb) ist der Gegenpol. Das ganze Ensemble beeindruckt mit artistischer Behändigkeit, Kraft und Schauspielkunst. Die Handlung verschmilzt mit der Gliederung und mit der vom Balladen-Ton erfüllten Musik von Sergej Rachmaninoff. Die Aussage des Balletts offenbart sich in der Symphonie Nr. 2 auf einer lyrischen Ebene, ohne dabei Ausbrüchen von Freude und Leidenschaftlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Die Symphonie Nr. 3 verwirklicht diesen Anspruch noch deutlicher.
Das Bruckner Orchester unter Ingo Ingensand hat sich diesen Aufgaben wirkungsvoll und "sprechend" gestellt. Es war auf der Hinterbühne in großer Besetzung vorteilhaft postiert.
Eine wichtige Rolle für den Erfolg der Produktion spielen auch die optischen Elemente der Bühne: die herrlichen bunten Kostüme im seinerzeitigen Stil (Marie-Therese Cramer), die schlichte zeitlose Bühnenausstattung (Alexandra Pitz) und der gezielte Einsatz von Licht (Johann Hofbauer).


Georgina Szeless, Neues Volksblatt
„Anna Karenina“ am Landestheater: Jochen Ulrichs grandiose Ballettschöpfung nach Leo Tolstoi und Rachmaninoff-Musik. Die erste Ballett-Premiere der Saison am Landestheater bescherte am Samstagabend Tanztheater von Weltklasseformat. Ballettchef Jochen Ulrich tut schon recht, sein hervorragendes Ensemble immer wieder mit abendfüllenden Produktionen herauszustellen. Seine außergewöhnlichen Leistungen zeigte es hier in einem getanzten Roman, dessen Figuren und Charaktere in ihren Emotionen so ergreifend wirkten, als würden sie gerade aus dem Buch heraussteigen.
(…) Genau dies gelang äußerst präzise in der Synchronisation zwischen jeder Bewegung der Tänzer und dem im Bühnenhintergrund musizierenden Bruckner Orchester unter der Leitung des in Romantik schwelgenden Dirigenten Ingo Ingensand.
Nach der dreistündigen Premiere wollte der Applaus schier kein Ende nehmen ...

Premiere: Der Schein trügt


Das Schauspiel von Thomas Bernhard feierte am 07.10.2010 Premiere im Eisenhand.

Hier die ersten Pressestimmen:

Milli Hornegger, OÖ Kronenzeitung
Karl und Robert, sie könnten die "Sonny Boys" von Thomas Bernhard sein. In der Linzer Eisenhand war am Donnerstag Premiere - und die wurde zu Recht herzlich und intensiv beklatscht. Habich und Sotke haben am grantigen Bernhard-Witz sichtlich und hörbar Vergnügen. Regisseur Uwe Lohr geleitet die beiden kurzweilige zwei Stunden durch eine Komödie des Alter(n)s: Man hat Spaß an Bernhard, an Habich, an Sotke (der trotz echter Rückenschmerzen heldenhaft weiterspielte)!
Eine warme Empfehlung für einen Besuch in der Eisenhand!

Wolfgang Schmutz, Der Standard
Regisseur Lohr lässt die beiden Akteure gewähren, ihr mimisches Potenzial ausleben und strukturiert vor allem zwischen den Szenen.

Andreas Hutter, Neues Volksblatt
 „Der Schein trügt“ ist ein komischer Mono- und Dialog mit ernsten Untertönen, ein für Bernhard typisches, allerdings kein besonders aufregendes Stück, und deshalb nur selten aufgeführt. Wenn es doch gegeben wird, braucht es zwei ordentliche Protagonisten, über die das Linzer Landestheater glücklicherweise verfügt: Vasilij Sotke macht als intellektueller Ex-Jongleur in Untergatte die Bühnenwohnung zu seinem Heim, das Stück zu seiner Spielwiese, Bernhards Sprache zu seinem ureigenen Idiom. Der als Robert stets etwas griesgrämig wirkende Sven-Christian Habich versteht sich hier gezwungenermaßen mehr auf Komik ohne Worte, gewinnt dem Bühnenstar im Unruhestand aber einige köstliche Facetten ab.
… wunderbar spießigen Wohnzimmer-Bühnenbildern von Ilona Agnes Tömö.

Christian Schacherriter, OÖN
Ein junger Regisseur hat etwas ziemlich Radikales riskiert. Er hat einem großen Autor, einem starken Bühnentext und zwei wunderbaren Schauspielern schlicht und einfach vertraut. Das Beispiel, das am Donnerstag im Linzer Eisenhand die Premiere von Thomas Bernhards Zwei-Personen-Stück "Der Schein trügt" gab, wird zur Nachahmung empfohlen.

Das macht die Originalität, den erhellenden Reiz dieser Dramatik aus, und dieser Eigenart wird die behutsame, kluge, uneitle Inszenierung von Uwe Lohr in jeder Hinsicht gerecht.

Mit Slapstick-Effekten, die Bernhard selbst in seinen Regieanweisungen anbietet, geht Lohr maßvoll um. Es ist auch eine überzeugende Entscheidung, den Bühnenraum im Wesentlichen nach Bernhards Vorgaben einzurichten (Ilona Ágnes Tömö). Diese filigrane Kammerspieldramatik braucht keine grellen Effekte. "Der Schein trügt" steht und fällt mit den richtigen Darstellern. Mit Vasilij Sotke (Karl) und Sven-Christian-Habich (Robert) hat man die richtigen gefunden. Mit bewundernswertem Gespür für Nuancen und Zwischentöne geben sie der ambivalenten Bruderbeziehung überzeugende Konturen, und sie beherrschen in Tonfall, Gestik und Mimik die hohe Kunst des bruchlosen Grenzverkehrs zwischen den Stillagen: vom Komischen ins Tragische und wieder zurück.

Premiere: Frühlings Erwachen!

Montag, 4. Oktober 2010

Frühlings Erwachen! in der Fassung von Nuran David Calis nach Frank Wedekind feierte am 2. Oktober Premiere in den Kammerspielen.

Hier die ersten Pressestimmen:

Krone OÖ/Elisabeth Rathenböck
Insgesamt ist Regisseur Holger Schober mit "Frühlings Erwachen!" von Wedekind/Calis eine stimmige, pfiffige und mitreißende Inszenierung gelungen. In den Linzer Kammerspielen wird damit gutes Theater für junge Leute geboten! Am Samstag erhielt die österreichische Erstaufführung in den Linzer Kammerspielen heftigen Beifall. Holger Schober inszeniert die Geschichte in einem Schwimmbad (Bühne: Christian Etsch Elgner). Schober steht ein wunderbares Ensemble zur Verfügung. Allen voran beeindruckt Ralf Wegner (Moritz), der sich vom Schüchti zum Rapper verwandelt. Sehr überzeugend: Elisabeth Hütter als Martha, die zu Hause geschlagen wird, aber an Träumen festhält.

Neues Volksblatt/Philipp Wagenhofer
Schobers Inszenierung, die nie moralisierend wirkt, findet einen brauchbaren Weg, zwischen dem pubertären Auftrumpfen der Jugendlichen und ihren Unsicherheiten, zwischen Aggressionen und zarten Gefühlen, den Irrungen, Wirrungen und Dramen zu vermitteln.
Die Schauspieler überzeugten allesamt, selbst in den Gesangseinlagen, die ziemlich konträr zur Partymusik ganz inwendig machen (Texte von Schober, Musik von Sue-Alice Okukubo), ... Ein wunderbares Duett von Wawrik und Dulisch bekommt man zu hören. Und ihr als Schattenspiel inszenierter Akt ist ein ganz eindringlicher Moment.


ÖSTERREICH
In den Kammerspielen des Linzer Landestheaters gab' s am Samstag viel Applaus für die neue Version von Frühlings Erwachen. Regisseur Holger Schober hat die moderne Version der Tragödie (Text: Nuran David Calis) laut und fast trashig inszeniert.
Melchior (hervorragend: Bastian Dulisch), Wendla (Katharina Wawrik), Moritz (Ralf Wegner) und die anderen Teenager treffen einander in einem Freibad. Das ist für Party & Saufen ebenso gut geeignet wie für tiefschürfende Gespräche oder berührende Szenen wie einen ersten Kuss. Die Inszenierung zeigt die Ambivalenz der Figuren klar auf, die einerseits ihre Lust auf Spaß und Sex ausleben wollen, andererseits jedoch immer wieder an ihre Grenzen stoßen.


OÖN/Peter Grubmüller
Dem "u\\hof:", der Jugendabteilung am Linzer Landestheater, gelang mit dem von Nuran David Calis in die Gegenwart gehobenen Theaterklassiker "Frühlings Erwachen" (Frank Wedekind) ein spektakulärer Saisonstart, der auf den Nerv zielt und ihn trifft.

"Frühlingserwachen" ist ein herrliches Wort. Man denkt an sprießende Knospen, an einschießende Säfte. Es ist die Zeit der verlässlichen Wunder der Natur. Beim Menschen heißt das Pubertät.
Plötzlich sollen Teenager den Unterschied zwischen Liebe, Sex und Porno aus dem Ärmel schütteln, die Konsequenzen sind Frustration und Konflikt - manchmal sogar Katastrophe. Das konnte jeder in der Schule bei Wedekind nachlesen.


In Nuran David Calis' Fassung, die der scheidende u\\hof:-Leiter Holger Schober in herrlichen Bildern inszenierte, wird nicht nur Staub vom Reclam-Heft geblasen, sondern der zeitlose Kern des Wedekind-Stoffes (1906 uraufgeführt) mit herrlicher Sorgfalt freigelegt. Die prächtige Bühne von Christian Etsch Elgner ist ein Freibad, hier kommt die junge Horde zusammen, hier treffen sich der schöne Melchior (ein prächtiges Linz-Debüt von Bastian Dulisch), die kecke Wendla (Katharina Wawrik glänzt facettenreich) und der grüblerisch zarte Moritz (grandios: Ralf Wegner). Sie setzen ihren Problemen Party-Masken auf, aber die großen Fragen lassen sich nicht aus der Welt feiern.


Wie schon vor Jahrhunderten taumeln die Jugendlichen in ihrer zerzausten Gefühlswelt. Die daheim geprügelte Martha (fast schmerzhaft gut: Elisabeth Hütter) nimmt mit ihrem Handy auf, woran sie sich erinnern und was sie vergessen möchte. Ilse (fast zu erwachsen: Katharina Halus) schläft mit allen Burschen, um nichts fühlen zu müssen (Melchior: "Ilse ist wie der McDonald's am Taubenmarkt, da war schon jeder drin").


Wendla reißt sich vom Rockzipfel ihrer Mutter (Katharina Vötter) los, sehnt sich nach schlechten Erfahrungen, bevor sie gar keine macht, und wird von Melchior schwanger. Moritz hat die Klasse geschafft, aber sein Vater und die Lehrer beschließen, ihn nicht aufsteigen zu lassen. Moritz sieht keine andere Möglichkeit, als sich umzubringen. Von Schober hinzugefügt und besonders wichtig ist der eindringliche Vater-Monolog (der berührende Joachim Rathke), der die Ratlosigkeit der Eltern in Worte gießt.


Stückinfo und Termine

Premiere: Nathan der Weise

Montag, 27. September 2010

Lessings Nathan der Weise feierte am 25.09.2010 Premiere im Großen Haus.

Die ersten Pressestimmen:

OÖN Silvia Nagl:

Bühnenbildner Florian Parbs hat einen beeindruckenden Bühnenraum mit enormer Tiefenwirkung in das Große Haus gewuchtet. Auf einem Bildschirm sehen wir Wüste, die sanfte orientalische Musik schwillt an, Feuerbomben fliegen herein, Recha rennt panisch davon. Ein gespenstisch starkes Anfangsbild, mit dem Regisseur Peter Wittenberg diese Erzählung starten lässt. Und immer wieder gelingen ihm Bilder, die mehr sagen als viele Lessing'sche Worte: Beispielsweise jenes, als eine Muslimin in Burka den Weg der züchtig in Mantel mit Kapuze gehüllten Christin kreuzt, die wiederum auf den Klosterbruder im Talar stößt. Wie doch Kleidung sich gleichen mag, auch wenn die Ideologie eine andere ist.

Brillantes Ensemble
Stefan Matousch ist ein kluger, ruhiger, besonnener, ab und zu dezent jiddelnder Nathan, ein Fels in der vielfältigen Meinungsbrandung, (...). Jenny Weichert ist eine emotionale Recha, die mit überzeugender Natürlichkeit, schöner und deutlicher Sprache und ordentlicher Bühnenpräsenz agiert. Ein überaus eleganter, mafiöser Sultan ist Vasilij Sotke, Bettina Buchholz seine ihr Selbstbewusstsein hinter Burka verbergende Schwester Sittah, Verena Koch wuselt eine neugierige Daja. Bei all der Ernsthaftigkeit der Thematik und Darstellung erfreut man sich umso mehr an Manuel Klein, der dem fanatischen Tempelherrn komische bis slapstickartige Züge gibt. Helmut Zhuber, neu im Ensemble, ist ein schlauer Derwisch, Thomas Kasten ein bedeutungsschwerer Klosterbruder, Erich Josef Langwiesner ein lächerlicher Patriarch.


OÖ Krone, Milli Hornegger:

Es ist das Hohe Lied der Toleranz, das mit Lessings "Nathan der Weise" im Linzer Landestheater vernehmlich laut angestimmt wird. Kein Zweifel: Das Stück ist auch mehr als 200 Jahre nach seiner Uraufführung brandaktuell. (...) Sehr überzeugend und irgendwie die Seelen dieser Inszenierung: Verena Koch als Daja und Jenny Weichert als Recha.

Stückinfo und Termine